![]() |
||
|
|
Dr. Bajan praktiziert im Sonnenweg Folk-Rock
aus St. Petersburg im Cafe „Vis-a-vis" zu hören Von JENS LETZEL Eisleben/MZ.
Mit „Guten Abend, Genossen!" in
ausgezeichnetem Schulrussisch begrüßte .Galerist
und Kneiper Morgensteni
am Samstag seine
Gäste, die Musik und einen Ausstellungswechsel erleben
wollten. Damit war Morgenstern mit seinem Russisch schon am Ende und gab
die Bühne frei für die Musiker von „Dr. Bajan & Brain Drain"
aus St. Petersburg, die sogleich energiegeladen in die Saiten der
Balalaikas und die Knöpfe des Akkordeons griffen. Seit
1993 gibt es die Band um „Kolja"
Nikolai Fomin, der eigentlich Doktor der Physik ist. Irgendwann war
ihm die Physik doch zu trocken. Er griff
sich zunächst eine E-Gitarre und spielte Rhythm
& Blues. Dann entdeckte er für sich ein Bajan (russisch für
Knopfakkordeon) und fand in Sam und Silja
Gleichgesinnte. Der
Auftritt in Musikkneipen
ist für die russische Band noch recht neu. Würden
sie Bühne, Saal und viel Publikum kennen, sei es schon gewöhnungsbedürftig,
im Westen vor kleinerem Publikum, das sich
auch noch unterhalten und Biertrinken will, zu spielen. Und
das mit einem Handikap -der fehlende Schlagzeuger mußte mit Improvisation
ersetzt werden. Der bisherige dänische Schlagzeuger
verließ überraschend die Band, der neue aus Rußland sitzt noch immer in
Moskau und wartet auf sein Visum. Die Zeit nutzt man für kleine
Auftritte, wie in Eisle-ben. Ihre Musik war
an diesem Abend zynisch distanzierte Volksmusik, die zudem durch die rokkige,
bluesige oder jazzige Darbietung nochmals gebrochen wurde. Die Drei
sangen aus voller Kehle, schonten sich in keinster Weise und schienen mit ihrer Energie ihre Instrumente ausbrennen zu wollen. Frontmann Kolja bekam in seiner Hingabe zur Musik kaum mit, daß Sam beim dritten Lied die Führung einer der drei Saiten seiner riesigen Baß-Balalaika wegbrach. Es wurde improvisiert. Sam spielte nun nur mit zwei der drei Saiten der Balalaika. Gut ging das nicht - Morgenstern nutzte die entstandene Reparaturpause, um mit dem Leipziger Rene Pfeiffer über die ausgestellten Aquarelle, die zum Teil auch mit Kugelschreiber gearbeitet sind, zu sprechen. Eine Idee liege Pfeiffers Bildern immer zugrunde. Die würde er dann während der Arbeit soweit verschlüsseln, daß dem Betrachter der Weg zum Verständnis des Künstlers verstellt oder erschwert wird. Das mag Pfeiffer gelungen sein, doch fesseln einen die filigran und dunkel gehaltenen Variationen zu gefangenem Kopf und Körper. Der Eindruck drängte sich auf, daß Pfeiffer kraftvolle Verzweiflung zu einem seiner Themen gemacht hat. Die Ausstellung war zuletzt in Holland und Belgien zu sehen, nunmehr ist sie in Eisleben zu bewundern. Gekauft werden können die Bilder auch. Während
Pfeiffer redete, band Sam im Hintergrund die dritte Saite mit einer, natürlich
roten, Wäscheleine fest und stimmte
quietschend seine Baß-Balalaika. Die
Musiker sangen sich auch nach der Zwangspause die Seele aus der Brust, der
Applaus war heftig -doch so richtig schien der Funken nicht überzuspringen.
In Leipzig oder Hamburg werden die Russen sicherlich
frenetisch gefeiert.
Doch im Mansfeldischen ist die Erinnerung an
traditionell dargebrachte
russische Volksmusik
wohl noch zu frisch. |
![]() |
|
|
||
![]() |
![]() |
|
![]() |
![]() |
|
![]() |
![]() |
|
![]() |
![]() |
|
![]() |
|