Hemmungsloser Indianer  

ZWICKAU. - Am Sonntag heizten die vier Musiker der Gruppe „Dr. Bajan und Brain Drain" den Besuchern Im Ge­wölbe des Lutherkellers ordent­lich ein.

     Die Truppe, die sich In Peters­burg fand, adaptierte russisches Volksliedgut und schleuderte ih­re Songs hemmungslos und provokant ins zahlreiche Publikum. Folkrock", nennen sie das. „Ironie und Selbstironie auf den Pathos der Volkslieder In 70 Jahren Sowjetunion", wollen sie zeigen, erklärte Knopfakkordeonspieler (Bajan) und Sänger Nikolai Fomin in einem Gesprich. Gesungen und gesprochen wurde rus­sisch. „Wir sind wie Indianer, wir fühlen uns nur In der Stammessprache zu Hause" meinte Fomin nicht ohne Stolz.

   

 

Russischer Folkrock, im Lutherkeller hemmungslos provokant dargeboten von der Gruppe „Dr. Bajan und Brain Drain'' aus Petersburg.                     

 Foto: JanaTöpfer

17 Januar 1995  

Musikalische Nachhilfe

(CKÜ). Nachhilfe in Russisch einmal anders: Die Band „Dr. Bajan und Brain Drain" kam am Sonntag nicht direkt aus St. Petersburg, sondern über Umwege aus Berlin. In Windeseile bauten die vier Musiker im Lutherkeller ihre Instrumente auf und boten dem buntgemischten Publikum russi­schen Folkrock und Punk.  

   Wer sich nicht selbst mit den Vo­kabeln abmühen wollte, erfuhr von der deutschen Managerin, daß die Geschichte der Band bereits 1993 begann. In der jetzigen Besetzung begeistern die Musiker mit Liedern, in denen sie auf ironische Art und Weise Volkslieder aus 70 Jahren Sowjetunion aufs Korn nehmen.

18.01.95

Den Zwickauern hat es, wie Stimmung und Applaus bewiesen, gefallen. Die Kommentare gingen von „lustig" bis „unkompliziert" und zu „provokant". Michail „Sam" Semjonow begeisterte auf seiner ungewöhnlich großen Bass-Balalaika aus Holz. Nikolai Fomin spielte Knopfakkordeon, sein Bruder Fjodor Balalaika und Alexander Kondraschkin Schlagzeug. Im vergangenen Jahr sammelten sie bereits Tourerfahrungen. Das Besondere sind nicht nur einige der Instrumente, sondern auch die Tatsache, daß sie in ihrer Muttersprache singen und sich nicht anderen Trends der Musikszene unterord­nen. In diesem Punkt bleiben sie eisern, wie nicht nur Sänger Nikolai Fomin versicherte.

   Der originelle Name, so erklärte die Managerin, setze sich aus zwei Teilen zusammen. Dr. Bajan stehe für den nger, der nicht nur Doktor der Physik sondern mittlerweile auch Doktor auf dem Bajan sei, und Brain Drain, das im Russischen wie „brjin-drjin" klingt, stehe für den Sound der Balalaika. Auf ihrem nexten Streifzug durch Deutsch­land wollen sie auch ihre neue CD in Umlauf bringen.